Einführung in die Farbenlehre.

Möchte man sich mit der persönlichen Farbanalyse auseinander setzen, stimmige Farben für die Basisgarderobe finden oder einfach paar farbenfrohe Outfits planen, sollte man sich mit der Farbenlehre auskennen. In diesem Beitrag werde ich versuchen einige Grundbegriffe für Sie zusammen zu fassen.

Lichtfarben und additive Farbmischung.

Der Farbton einer Farbe wird durch die Wellenlänge des Lichts bestimmt. Das menschliche Auge nimmt nur einen kleinen Bereich aus dem Spektrum der elektromagnetischen Wellen wahr. Dieser Bereich beginnt mit Rot (Wellenlänge von 750 nm) und endet bei Blauviolett (Wellenlänge von 380 nm). Das sind genau die Farben, die man erkennt, wenn „weißes“ Licht durch eine Glasprisma gebrochen wird. Diese Farben nennt man Spektral- oder auch Lichtfarben.

Das Spektrum elektromagnetischer Strahlung | Horst Frank / Phrood / Anony - Horst Frank, Jailbird and Phrood | CC BY-SA 3.0
Das Spektrum elektromagnetischer Strahlung | Horst Frank / Phrood / Anony – Horst Frank, Jailbird and Phrood | CC BY-SA 3.0

 

Rot, Grün und Blauviolett nehmen bei den Lichtfarben eine besondere Stellung ein. Diese drei Farben werden Primärvalenzen genannt und können nicht aus den anderen Lichtfarben gemischt werden. Für jede der drei Primärvalenzen verfügt das menschliche Auge über jeweils eine Art von Zapfen. Durch die unterschiedliche Wellenlängen des Lichts werden die Zapfen unterschiedlich stark gereizt. Genau diese Reize rufen durch unser Auge im Gehirn den Sinneseindruck „Farbe“ mit allen möglichen Nuancen hervor. Jede Lichtfarbe, die dazu kommt, bewirkt, dass das Licht insgesamt heller wird. Werden alle Lichtfarben zusammengeführt, erhält man wieder „weißes“ Licht. Diesen Prozess nennt man additive Farbmischung.

Additive Farbmischung | Quark67 | CC BY-SA 3.0
Additive Farbmischung | Quark67 | CC BY-SA 3.0

Wir erleben das additive Mischverfahren täglich am PC, Fernseher oder Handy: Jedes Pixel an einem Bildschirm besteht aus drei unterschiedlichen Leuchtstoffen, die den drei Primärvalenzen entsprechen. Dadurch dass die Leuchtstoffe in verschiedenen Stärken und Kombinationen zum Leuchten gebracht werden, kann ein Bildschirm einen Eindruck von Millionen von Farben erzeugen. Das additive Farbmischverfahren wird immer dann angewendet, wenn Licht direkt ins Auge gelangen soll.

Im Falle von Kleidung haben wir aber wenig mit Lichtfarben zu tun. Die Farben, die wir meinen, wenn wir über Farben von Gegenständen reden, nennt man Körperfarben.

Körperfarben und substraktive Farbmischung.

Körperfarben entstehen, wenn Oberfläche von undurchsichtigen Objekten mit „weißem“ Licht bestrahlt wird, einen Teil der Wellenlänge des Lichts verschluckt und das restliche Licht reflektiert wird. Das reflektierte Licht trifft das Auge und kann so wahrgenommen werden. Da in diesem Fall einige Wellenlängen absorbiert werden, nennt man dieses Phänomen subtraktive Farbmischung. Dabei führt jede zusätzliche Farbe, die absorbiert wird, dazu dass es weniger Licht reflektiert wird und Objekte dunkler erscheinen. Werden alle Wellenlängen absorbiert, sieht ein Objekt schwarz aus. Reflektiert ein Objekt das Licht komplett, erscheint es weiß.

Substraktive Farbmischung | Wikimedia Commons, Quark67 | CC BY-SA 2.5
Substraktive Farbmischung | Wikimedia Commons, Quark67 | CC BY-SA 2.5

Genau so wie die Primärvalenzen bei den Lichtfarben, haben Körperfarben drei besondere Farben, die nicht aus anderen Farben gemischt werden können. Das sind Cian, Magenta und Gelb. Diese Farben werden auch Primärfarben genannt.

Und genau hier wird es chaotisch und kompliziert. In der additiven Farbmischung wird rotes, grünes und blaues Licht gemischt, kein Farbstoff. Rotes Licht plus grünes Licht ergibt gelbes Licht. Rotes Farbstoff plus grünes Farbstoff ergibt dunkles Grauschwarz und kein Gelb. Farbstoffe werden in der substraktiven Mischverfahren gemischt. Gelber Farbstoff und cyanfarbener Farbstoff ergeben gemischt grünen Farbstoff. Wird gelbes Licht mit dem blauen Licht gemischt, kommt graues und kein grünes Licht raus. Man muss streng unterscheiden zwischen Mischung des Lichts und Mischung der Farbstoffe.

Primärfarben, Sekundärfarben und Tertiärfarben.

Mischt man zwei Primärfarben mit gleichen Anteilen, entstehen die Sekundärfarben Rot, Grün und Blau, die bei den Lichtfarben die Primärvalenzen sind.

Cian + Magenta = Blauviolett

Cian + Gelb = Grün

Gelb + Magenta = Rot

Die Sekundärfarben haben genauso wie die Primärfarben ihre volle Leucht- bzw. Buntkraft, weil sie weder durch Weißanteile aufgehellt, durch Schwarzanteile abgedunkelt oder durch Komplementärfarbanteile getrübt werden.

Das menschliche Auge kann ca. 160 Farbnuancen bei den Sekundärfarben unterscheiden. In der Natur findet man diese Farben eher selten, hauptsächlich bei Fischen, Schmetterlingen oder Blumen.

Mischt man Anteile aller Primärfarben, bekommt man die sog. Tertiärfarben. Die Reinheit bzw. Buntheit aller Tertiärfarben ist verringert, weil durch das dazu mischen aller drei Primärfarben immer zwei komplementäre Farben dabei sind und diese grauen einander aus. Das menschliche Auge kann bei den Tertiärfarben mehr als 100.000 Farbtöne unterscheiden. Auch in der Natur kommen die Tertiärfarben am meisten vor.

Farbkreis.

Farbkreis nach Itten | Originally by MalteAhrens at de.wikipedia. Vectorization by User:SidShakal | Public domain
Farbkreis nach Itten | Originally by MalteAhrens at de.wikipedia. Vectorization by User:SidShakal | Public domain

Es existieren verschiedene Farbkreise, genau so wie es verschiedene Farbtheorien gibt.

Baut man z.B. einen Farbkreise nach der physischen Modell der Spektralfarben auf, bekommt man einen symmetrischen Farbkreis, wo Blau gegenüber von Gelb und Rot gegenüber von Cyan liegt.

Ein anderes verbreitetes Farbkreis ist der Farbkreis nach der Farblehre von Johannes Itten. Dieser wird oft in der Schule im Kunstunterricht benutzt, ist aber auch unter den Stilisten und Farbberater beliebt, weil die Theorien von Itten zu den Vorläufern von persönlicher Farbanalyse gehören. Dem Farbkreis von Itten nach sind die Primärfarben Rot, Blau und Gelb, alle anderen Farben lassen sich aus diesen Farben mischen. So gehören Orange, Grün und Violett zu den Sekundärfarben und Blaugrün, Blauviolett, Purpurrot, Orangerot, Dunkelgelb und Hellgrün zu den Tertiärfarben.

Das Basisschema der Farbenlehre nach Harald Küppers (1976) | Hewin at German Wikipedia | public domain
Das Basisschema der Farbenlehre nach Harald Küppers (1976) | Hewin at German Wikipedia | public domain

Ein weiterer Farbkreis, den man oft zu sehen bekommt, ist der sog. harmonischer Farbkreis. Der wirde von Liedl aus der Farbmodell von Küppers abgeleitet, welches alle sechs Farben, also Magenta, Cyan, Gelb, Blauviolett, Rot und Grün, als Grundfarben hat.

Küppers selber hat auf Basis seiner Überlegungen kein Kreis, sondern einen Sechseck aus Farben entworfen.

Doch die Form ist an dieser Stelle weniger wichtig. Wichtig ist die Anordnung der Farben. Bei Küppers, genauso wie bei dem von seiner Theorie abgeleiteten harmonischen Farbkreis, liegt Gelb gegenüber von Violettblau und Rot gegenüber von Türkis. Wenn ich später von einem Farbkreis schreibe, meine ich genau diesen harmonischen Farbkreis.

Es gibt natürlich mehr Farbmodelle und Farblehren, doch sie alle zu beschreiben würde den Rahmen von einem Blogbeitrag sprengen. Außerdem warten noch viele andere spannende Themen auf uns! Bleiben Sie dran, bald geht es weiter mit den Grundregeln der Farbenlehre.


Beitragsbild erstellt mit Hilfe von Freepik

Autor: Milla

Auf der suche nach meinem individuellen Kleidungsstil sammle ich in diesem Blog Mode-, Figur- und Stil-Tipps.

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